Sonntag, 27. Januar 2013

Adieu, Sir Merivel- Rose Tremain

 

 

 

 



Insel
Roman
gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag, 445 Seiten
19,95 Euro (D)
ISBN: 978-3-458-17563-6

Suhrkamp/Insel

 

 

 

"Ich begreife jetzt, was dies für Zeiten sind- es sind Zeiten des Abschiedes." (Seite 265)

 

Inhalt:

16 Jahre nachdem er sein Buch von seinem Diener Will verstecken lassen hat, taucht es wieder auf. Das Buch, welches einen Teil von Merivels Leben erzählt. Er, ein Lebemann, immer auf der Suche nach einem neuen Abenteuer. Doch einiges hat sich geändert. Merivel ist einsam, seniert über das Leben, welches er jetzt führt und flüchtet immer mehr in seine Depression.
Als seine Tochter mit den Nachbarn eine mehrwöchige Reise antreten möchte, muss sich was ändern. Anstatt Trübsal zu blasen, macht er sich auf den Weg nach Frankreich um dort, als Arzt im Dienste des Königs, eine Anstellung zu finden. Doch leider verwehrt man ihm den Zutritt zum Hof, doch er trifft auf die schöne Louise und verliebt sich in sie.

Cover:

Der Schutzumschlag zeigt eine abblätternde Tapete, eine alte Tapete. Nachdem Lesen passt das Cover perfekt zum Leben von Merivel, welches genauso am Blättern ist. Unter dem Buch erstrahlt das Buch in goldener Farbe und auch das passt wunderbar zur Lebensgeschichte von Merivel.

Meine Meinung:

Das obengenannte Zitat beschreibt am besten das Buch. Es ist Merivels Lebensgeschichte und er persönlich erzählt seine Geschichte als Arzt, Lebemann und Vertrauter König Charles.
Es ist der 2. Band von Sir Merivel, den 1. Band kenne ich nicht. Deswegen kann ich auch nur dieses Buch bewertet, ohne irgendwelche vergleiche zum Vorgängerband zu ziehen. Ich habe mich sehr gut zurecht gefunden in dem Buch und hatte jetzt nicht das Gefühl gehabt, etwas wesentliches verpasst zu haben.
Sein wirklich betagter Diener Will, immerhin schon 74 Jahren und immer treu an Merivels Seite, gehörte zu meiner absoluten Lieblingsfigur. Wie gut konnte ich mir den ein wenig senilen, teils auch nur gespielt und hutzeligen Mann vorstellen. Die Dialoge zwischen Will und seinem Herren sind so humorvoll und auch, wenn Will der Diener des Hauses Bidnold ist, sagt er offen seine Meinung. Er ist nicht nur ein Diener, er begleitet Merivel schon sehr lange Zeit und ist ihm ein Freund und Vertrauter geworden.
Merivel erlebt viel in diesem Band. Seine Reise nach Frankreich endet anders als geplant und er verliebt sich in die schöne Louise. Es scheint, als hätte er in dieser Frau seine wahre Liebe gefunden, denn bis zu diesem Zeitpunkt hegte er zu keiner Frau so tiefe und innige Gefühle, ausgenommen zu seiner Tochter. Deren Wohl ihm besonders am Herzen liegt und das merkt man sehr. Für sie würde er alles tun, mit ihr leidet und freut er sich mit.
In vier Abschnitten erzählt Merivel nun seine Lebensgeschichte. Jedem Abschnitt wird dabei einen besonderen Teil gewidmet. Sie fängt mit dem Fund seines ersten Buches im Jahre 1680 an und endet 1682, in dem wir Sir Merivel durch die Jahre begleiten dürfen. Die Geschichte wird durch die humorvollen Dialoge, besonders zwischen Merivel und Will aufgelockert und auch die Liebelei zu Louise bringen ein wenig Licht in die ansonst sehr düstere und teils auch depremierende Geschichte von Merivel. Das Buch ist anders als ich erwartet habe, aber es hat mir gefallen.
Der Schreibstil ist sehr flüssig und gut zu lesen, trotz der teilweise gehobeneren Ausdrucksweise, die mir besonders in den Dialogen und den Briefen, die er schreibt und erhält, aufgefallen ist. Sehr stolz erzählt Merivel von seiner Vergangenheit, als er noch der Lebemann war und man spürt die Stimmungsschwankungen sehr. Wirkliche Spannung kommt nicht auf, aber das habe ich bei diesem Buch auch nicht erwartet. Wenn ich Spannung möchte, dann bevorzuge ich doch eher einen Krimi. Aber es wurde für mich nicht langweilig, ich habe Merivel sehr gerne in diesem Lebensabschnitt begleitet und seine Geschichte gelesen.

Fazit:

Ich fand es ein ganz tolles Buch und "Adieu, Sir Merivel" hat mir einige schöne Lesestunden bereitet.

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LG Mone