Mittwoch, 21. Mai 2014

[Rezension] Einkehr von Tommie Goerz

Ungewöhnlicher Schreibstil, aber ein absolut spannender Krimi
304 Seiten, Klappenbroschur
978-3-86913-421-5
14,90 Euro (D)


Inhalt:
Frühsommer in Franken. Es ist unerträglich schwül und von einer Abkühlung ist in der nächsten Zeit nur zu träumen. 
Auch Friedo Behütuns leidet unter der drückenden Schwüle. Aber nicht nur das Wetter belastet ihn, auch ein Gedanke lässt ihn nicht los. Schon dreimal hat bei diesem Wetter ein Sexualmörder zu geschlagen. Wird er es nun wieder versuchen? Kann das Wetter einen so beeinflussen? Er versucht sich in die Gedankenwelt des Mörders hineinzufinden.
Zur gleichen Zeit kommt eine unscheinbare Frau in sein Büro und macht eine unglaubliche Aussage. Sie behauptet, dass eine Reihe Unfälle keine Unfälle waren, sondern Morde. 
Die Nürnberger fangen an zu ermitteln und stoßen schon bald auf eine Gemeinsamkeit: Botschaften in alter Sprache und Schrift.
Meine Meinung:
Es ist der 5. Fall von Friedo Behütuns und seinem Team der Nürnberger Kriminalpolizei, doch man kann ihn auch gut ohne die Vorgängerbände lesen. Denn wirklich Wichtiges fädelt Tommie Goerz geschickt in die Geschichte mit ein.  
Als ich die ersten Seiten gelesen hatte, war ich mir nicht so sicher, wie ich das Buch denn jetzt finden sollte, denn im Gegensatz zu Auszeit, war der Anfang hier, sehr verwirrend und erforderte konzentriertes Lesen. Tommie Goerz lässt Handlungsorte, Zeiten, Personen und Gedanken nahtlos verschwimmen. Man ist erst bei Friedo Behütuns und aufeinmal befindet man sich in den Gedanken eines ganz anderen Menschen wieder. Doch der rote Faden (wie man so schön sagt) bleibt immer erkennbar. Erst nach und nach und genauso nahtlos kommt Ordnung in das Durcheinander hinein, so dass ich nicht das Gefühl eines ganz anderen Lesens hatte. Das Bild wird klarer und eine Struktur bildet sich, die vorher nicht so spürbar war.
Und obwohl es so verwirrend am Anfang war, es war spannend und man machte sich seine eigenen Gedanken zu dem Fall. Sowohl mit älteren Mitbürgern in einem schönen fränkischen Dialekt, den man sehr gut auch außerhalb der Region versteht, als auch tiefergehende psychologische und philosophische Gespräche finden Platz in dem Buch und ergeben eine perfekte Mischung. Sie heben das Buch ein wenig ab von den anderen Regionalkrimis.
Der Schreibstil ist genial und ich fand ihn in "Einkehr" auch sehr eigen. Aber er hat mir gefallen. Es gibt detailvolle Beschreibungen der Umgebung, bei der sich ein Bild im Kopf projiziert. Die Stimmungen, die Schwüle werden spürbar. Einfach genial. 
Eingestreut wurden Zitate in alter Sprache und Schrift, die ich zwar nicht immer Wort für Wort verstanden habe, allerdings ist mir der Sinn dieser Zitate nicht im verborgenen geblieben. Wenn man dann noch einen Blick in den Quellennachweis wirft und weiß, woher sie stammen, dann kann man sich schon sehr gut vorstellen, was darin steht, auch wenn man es nicht Wort für Wort übersetzen kann.
Am Anfang eines Kapitels stehen Zitate aus der Bibel, die zum jeweiligen Kapitel hervorragend passen. 
Fazit:
Tommie Goerz hat mit "Einkehr" einen ungewöhnlichen Regionalkrimi geschrieben, der es aber versteht, den Leser zu packen. Spannung bis zum Schluss! 
 
 
 

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LG Mone