Freitag, 27. Februar 2015

[Rezension] Flügel aus Papier von Marcin Szczygielski

ab 10 Jahren
FISCHER Sauerländer
288 Seiten, Hardcover
Originaltitel: Arka Czasu
ISBN 978-3-7373-5212-3
13,99 Euro (D)


Inhalt:
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Der 9 jährige Rafal lebt mit seinem Großvater 1942 in Warschau. Als Juden leben sie seit dem Einzug der Nazis im Ghetto. Ein Leben ohne Hunger und Angst hat Rafal nie kennengelernt. Um dem Alltag zu entfliehen, flüchtet der Junge in die Welt der Bücher. Der Roman "Die Zeitmaschine" hat es ihm besonders angetan, denn die fiktive Welt ist seiner Welt sehr ähnlich. 
Als es immer brenzliger wird gelingt es dem Großvater Rafal zur Flucht zu verhelfen, um ein neues Leben hinter der Mauer zu beginnen. Rafal versteckt sich im Warschauer Zoo, doch die Nazis sind ihm ganz nah...
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Meine Meinung:
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"Es soll einmal gar nicht so wichtig gewesen sein, wo jemand herkam, sondern es zählte nur, was er für ein Mensch war."(Seite 27)
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Rafal ist 9, als er beginnt, seine Geschichte zu erzählen. An ein Leben vor dem Krieg kann er sich nicht mehr erinnern. Sein Großvater ist sehr bemüht, dass der Junge nicht die komplette Bandbreite des Krieges mitbekommt, aber schon Rafas Wunsch in die Schule zu gehen, bleibt ein Wunsch. Als Jude im Ghetto hat er kein Recht auf Schulbildung. Unterrichtet wird er von seinem Großvater, der ihm auch ermöglicht einmal im Monat die Bibliothek zu besuchen, um sich ein Buch auszuleihen.
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Als es immer brenzliger wird im Warschauer Ghetto und die Nazis die Endlösung beschlossen haben, schafft es der Großvater, dass Rafal flüchten kann. Allerdings ohne ihn. Er hat die Möglichkeit, ein neues Leben anzufangen, hinter den Mauern. Denn es gibt Menschen, die Helfen. Die fremde Kinder aufnehmen und ihnen eine neue Identität geben. Eine Chance, den Krieg zu überleben. 
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Ab da erzählt Rafal von seiner Zeit im Warschauer Zoo, in dem er sich verstecken musste. Er lernt Emek kennen und trifft Lidka wieder, mit der er mal im selben Haus gewohnt hat. Die Kinder kämpfen um das Überleben und sie sind sich der Gefahr bewusst, die überall lauert. 
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Marcin Szczyglielski hat wahnsinnig viel Gefühl in dieses Kinderbuch gelegt, dass ich oft sprachlos war. Es war, als würde mir ein Zeitzeuge seine Geschichte erzählen. Als würde der ältere Rafal neben mir sitzen. Das Buch, ist ein Buch, welches lange nachhängt und das ist auch gut so. Es ist eine Zeit, die man nicht vergessen darf und gerade solche Kinderbücher, sind so wichtig.
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Besonders schön fand ich die Verbindung mit dem Lieblingsbuch von Rafal. "Die Zeitmaschine" von H.G. Wells, in der er so viele Gemeinsamkeiten mit seinem Leben findet und die ihm Hoffnung gibt. 
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Aber auch das Nachwort sollte man nicht ungelesen lassen, denn es ist das, was die erste Leserin des Buches wissen wollte. Und hier erklärt der Autor, was in der Zeit, wo das Buch spielt geschehen ist. 
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Das Buch ist für junge Leser ab 10 Jahren gedacht, aber die Eltern sollten in der Nähe sein und für Fragen bereit stehen. Denn die werden auf jeden Fall die jüngeren Leser haben und ich denke auch, dass nach Beendigung des Buches ein gewisser Gesprächsbedarf bestehen könnte.  
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Fazit:
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"Flügel aus Papier" erzählt über das Leben im Warschauer Ghetto 1942 aus der Sicht des kleinen Rafas. Ein beeindruckendes Kinderbuch, über eine Zeit, die nicht vergessen werden darf. 
    

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LG Mone