Montag, 4. Januar 2016

[Rezension] Jeden Tag ein bisschen mehr von Louisa Reid

FJB
ab 13 Jahren
560 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
Originaltitel: Lies Like Love
Aus dem Englischen von Birgit Maria Pfaffinger 
978-3-8414-2229-3
16,99 Euro (D)

"Ich bin schon als Kleinkind dreimal fast gestorben. Vielleicht ist >Krank< mein Gesund?" (Klappentext)

Louisa Reid hat mich mit ihrem Debüt "In deinem Licht und Schatten" damals sehr begeistert und während des Lesens Emotionen hervorgerufen, die sich schier überschlagen haben. So war ich auch gespannt auf das neue Buch dieser, für mich, grandiosen Schriftstellerin. Der Klappentext verrät dabei nicht viel und erst mit dem Lesen kommt man Stück für Stück dem Geheimnis näher.

Das Cover und der Titel sind perfekt gewählt und auch wenn man erst einmal Zweifel hat, so wird es einem am Ende auf jeden Fall klar. 

"Für alles gab es eine Tablette. Bloß für die Freiheit nicht.!" (Seite 187)

Audrey ist ein 16 jähriges Mädchen, welches nur einen Wunsch hat, "normal" zu sein und in in ihrem neuen zu Hause endlich anzukommen. Sie möchte einen Neubeginn und Freunde. Doch eine Krankheit macht ihr das Leben schwer. Eine Krankheit, die keinen Namen hat, wo keiner weiß, was es ist. Grange House, eine ehemalige Anstalt, ist das besagte neue zu Hause. Ein unheimlicher Ort, verlassen und abgelegen. Dieser Ort macht ihr Angst. In der neuen Schule ist sie auch schnell das Opfer und hat nur ein Mädel, in deren Schatten sie sich stellt und  von ihr beschützt wird.

Ihr Bruder Pete ist ihr Halt zu Hause. Für den 5 jährigen würde sie alles machen und sie sorgt sich um ihn. Es ist eine große Liebe zwischen den Geschwistern, die sehr außergewöhnlich ist. Zu ihrer Mutter hat sie ein gespaltenes Verhältnis. Diese Frau kümmert sich rührend um Audrey, wenn diese erkrankt ist und sonst gibt es oft nur gemeine und fiese Worte. Sie hält Audrey an der kurzen Leine, immer im Vordergrund steht die Krankheit. Dabei rückt sich die Mutter zunehmend in die Rolle des Opfers und leidgeprüften Frau.

"...Als wäre ich etwas Besonderes." (Seite 253)

Dann gibt es noch Leo, er wird Audreys Freund und kann sich ein wenig in sie hinein fühlen. Er wohnt bei seiner Tante und bringt seine eigene Geschichte mit. Und obwohl er es nicht immer selber leicht hatte, kümmert er sich um Audrey und Pete. Er gibt Audrey so viel und bei ihm fühlt sie sich wohl.

Als Leser merkt man eigentlich recht schnell, was in Audreys Familie passiert. Dabei wird die Benennung des Problems erst am Ende präsentiert, doch durch kleinere Hinweise, bekommt man ein gutes Gefühl. Ich hoffe, ich verrate nicht zu viel. Lest das Buch, es ist ein ganz großartiger Roman.

Man wechselt immer in den Sichtweisen. Audrey spricht dabei für sich selbst und erzählt ihre Geschichte, während Leos Sicht von einem Erzähler übernommen wird. Im Buch sind die beiden Sichtweisen mit Namen kenntlich gemacht. Man weiß also, wo man sich gerade befindet.

"Jeden Tag ein bisschen mehr" ist ein Buch, welches mich wieder an die Grenzen gebracht hat. Es reißt einen emotional mit und während ich es gelesen habe, ist mir mehrfach die Hutschnur gerissen, ich habe geweint, aber ich habe mich auch von Audreys Freude anstecken lassen. Ich war irgendwie ganz bei Audrey und habe oft mit ihr gelitten, mit ihr gefiebert. Es ist ein Jugendbuch, welches sich durch seine Art von vielen anderen Jugendbüchern abhebt. Hier wird ein Thema behandelt, welches es real gibt. Man muss sich auf das Buch einlassen und wenn man das geschafft hat, dann ist es ein grandioses Buch über ein schwieriges Thema, welches, wie ich finde, auch sehr gut umgesetzt wurde.

Louisa Reid hat mich ein zweites Mal überzeugt und ich bin schon sehr gespannt darauf, was ich von dieser Autorin noch zu lesen bekomme. Sie schafft es gefühlvolle und emotionsgeladene Romane zu schreiben, die sich aufbauen und den Leser am Ende nachdenklich zurücklassen.

Und in bei diesem Roman wünscht man Audrey einfach nur:

"Sei fröhlich." (Seite 546)

  

Kommentare :

  1. Von der Autorin habe ich bisher noch kein Buch gelesen. Beim Lesen deiner Rezension bekomme ich so eine Ahnung was in Audreys Familie vor sich gehen könnte. Vielleicht liege ich aber auch komplett daneben. LG Aletheia

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    1. Oh Gott, ich hoffe, ich habe jetzt nicht zuviel verraten? Mir fiel die Rezi unheimlich schwer, weil ich eigentlich noch so viel sagen wollte, aber bei dem Buch ist die Gefahr einfach so groß, unbewusst zu viel zu erzählen.

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