Dienstag, 9. Februar 2016

[Rezension] Der goldene Sohn von Shilpi Somaya Gowda

496 Seiten, Taschenbuch
Originaltitel: The Golden Son
Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
978-3-462-04774-5
9,99 Euro (D)


"Eine mutige Entscheidung kann dein Glück bedeuten oder dein Unglück. Oder beides." (Klappentext)
.
Es ist die Geschichte von Anil und es ist Leenas Geschichte in die ich die einige Tage eingetaucht bin. Ich bin zwischen Indien und Amerika gependelt. Ich habe die Hektik gespürt, die Zerrissenheit und das Leid. Aber ich habe nie die Hoffnung während des Lesens verloren. Denn die war auch zu schrecklichen Zeiten immer spürbar.
.
"Auf Amerika, wo du alles werden kannst, was Du willst." (Seite 43)
.
Anil hat es geschafft. Aus der Dorfgemeinschaft, wo er behütet aufgewachsen ist, ist er nach Amerika gegangen, um als Arzt an einem großen Krankenhaus zu arbeiten. Sein Weg sollte allerdings ein anderer sein. Als ältester Sohn sollte er in die Fußspuren seines Vaters treten und irgendwann das Oberhaupt und der Schiedsmann. Doch sein Vater hat schon früh erkannt, dass mehr in seinem Sohn steckt und hat ihn gefördert und ihm Raum gelassen, sich zu entfalten.
.
"Sie versuchte, ihre Pflichten klaglos zu erfüllen, aber sie konnte einfach nicht begreifen, warum sie so behandelt wurde, warum sie nicht mal mit ihnen zusammen essen durfte, als würde sie nicht zur Familie gehören." (Seite 96)
.
Während Anil in Amerika seinem Traum nachgeht, wird es für Leena Zeit zu heiraten. Doch die Ehe hat sie sich ganz anders vorgestellt. Von Liebe und Zuneigung ist nichts zu spüren. Sie wird von der Familie ihres Mannes als Sklavin gehalten und hat nur zu gehorchen. Man erlebt die andere Seite der Medaille kennen, die ein verachtendes Frauenbild zeigt. In den Passagen habe ich gelitten, aber trotzdem spürt man Leenas Hoffnungen, dass sich vielleicht eines Tages etwas ändern wird. 
.
Anils und Leenas Geschichten sind eigentlich unabhängig voneinander. Im Wechsel reist man von Amerika nach Indien und dann wieder zurück. Es gibt zwischen den Beiden kaum Berührungspunkte. Die gibt es erst gegen Ende. 
.
Das Leben in Amerika im Krankenhaus ist ein schnelle Leben, viel Hektik und Kräftezehrend und sobald man in Indien ist, bekommt man fast einen Kulturschock, da dort viel auf Traditionen gesetzt werden, die gerade in der Dorfgemeinschaft sehr verankert sind. Aber beide Geschichten sind voller Hoffnungen, dass sich etwas ändern wird.
.
Gegen Ende wurde das Buch allerdings etwas schwächer. Ich hatte eigentlich genug von dem Pendeln und es zog sich ein wenig. Zwar hat die Autorin noch die ein oder andere Überraschung parat gehalten, doch das hat für mich nicht gelangt. Das Ende kam dann sehr plötzlich und auch hier überrascht die Autorin den Leser. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass irgendwas fehlt, in dieser Geschichte.
.
"Der goldene Sohn" von Shilpi Somaya Gwoda ist ein wunderbares Buch, mit einem sehr starken Anfang, der es schafft einen an die Hand zu nehmen und in eine andere Welt zu führen. Leider kann es das nicht halten und es schwächt immer mehr ab.    

1 Kommentar :

  1. Hallo Mone ;-)
    Ich hatte das Buch bei LB gesehen und war kurz davor, mich für die Leserunde zu bewerben oder das Buch zu kaufen. Nun bin ich froh, dass ich mich zurückgehalten habe.
    Danke für diese Rezension.
    Liebe Grüße,
    Hibi

    AntwortenLöschen

Wie die meisten Blogger, freue ich mich auch über liebe Kommentare und Feedbacks.

LG Mone