Sonntag, 15. Mai 2016

[Rezension] Und draußen stirbt ein Vogel von Sabine Thiesler


448 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
978-3-453-26968-2  
19,99 Euro (D)




Vor einigen Tagen habe ich "Und draußen stirbt ein Vogel" von Sabine Thiesler beendet und erst stand ich ein wenig auf dem Kriegsfuß mit dem Buch. Doch jetzt wird es klarer und das Gesamtbild ist stimmig.

"Sie war eine gottverdammte Lügnerin, aber nun gut, wie sollte sie sich bei derartigen Fragen auch anders aus der Affäre ziehen, überlegte er und schluckte seinen Ärger hinunter." (Seite 15, Und draußen stirbt ein Vogel)

Manuel kennt jedes Buch von Rina Kramer auswendig. Wort für Wort. Er ist wütend auf Rina, die erfolgreiche Autorin, die in der Toskana lebt. Abgeschieden und die einzige Gesellschaft ist ihr Sohn Fabian. Dann findet Manuel heraus, wo sie wohnt und steht vor ihrem Tor. Er mietet sich in die Cabana ein. Ein harmloser Urlauber, doch in seinem Inneren brodelt es gewaltig.

Rina Kramer ist zu dem Zeitpunkt wo Manuel in ihr Leben tritt, mit anderen Dingen beschäftigt und bemerkt die Gefahr, die von Manuel ausgeht. Er kommt ihr eigentümlich vor, etwas spleenig und ja, eigentlich macht er ihr auch etwas Angst, doch sie spielt diese Angst erst runter. Bis es zu spät ist.

Der Schreibstil von Sabine Thiesler fand ich vom ersten Wort an, richtig gut. Nicht so schnörkelig und auch nicht abgehoben. Die Landschaftsbeschreibungen der Toskana haben mich fasziniert, denn ich konnte mir die Umgebungen richtig gut vorstellen und habe so ein Gefühl davon bekommen, wie Rina Kramer lebt. Sie schafft es mit ihren Worten, die Phantasie des Lesers anzuregen.

"Kleine graue Kreise schwammen vor seinen Augen, von rechts nach links, von oben nach unten und durcheinander, und irritierten ihn, weil er kaum noch etwas sah. Sein Mund fühlte sich an, als habe er tagelang nur trockenen Sand und Steine gekaut." (Seite 139, Und draußen stirbt ein Vogel)
 
Mit Manuel ist Sabine Thiesler ein genialer Charakter gelungen. Ich hätte mir zwar noch ein wenig mehr Tiefe gewünscht, denn ich glaube, aus ihm hätte man noch einiges herauskitzeln können. Er hatte die zwei Seiten der Medaille gehabt. So nach und nach kommt der Wahn aus ihm heraus und endete in dem Finale.
 
Als Leser spürt man das Brodeln im Untergrund und wartet eigentlich nur darauf, dass die Spannung endlich ausbricht. Doch leider wartet man manchmal ziemlich lange und wenn sie mal an die Oberfläche tritt, wird sie nicht gehalten, sondern verschwindet wieder recht schnell. Erst auf den letzten 100 Seiten nimmt die Geschichte an Fahrt an, aber so ein klein wenig mehr Thrill hätte ich mir auch da noch gewünscht. Sehr, sehr schade, denn der Plot hätte viel mehr zugelassen.

Sabine Thiesler hat mehrere Handlungsstränge in ihre Geschichte eingebaut und bei manchen habe ich mich erstmal gefrage, was sie um Himmelswillen jetzt mit der Sache zu tun haben. Protagonisten, die mir erst einmal unsinnig vorkamen und auf die auch nicht wirklich näher eingegangen wird. Erst zum Schluß wurde es mir klarer und es ergab sich ein Gesamtbild, welches stimmig war.

"Und draußen stirbt ein Vogel" von Sabine Thiesler, ist von der gesamten Geschichte durchaus stimmig, aber es fehlte mir definitiv die Spannung und der Thrill. Sabine Thiesler hätte da noch ein wenig mehr herausholen können, denn Potenzial hat dieses Buch auf jeden Fall. 




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LG Mone