Mittwoch, 19. Oktober 2016

[Rezension] Das Bild aus meinem Traum von Antoine Laurain

192 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
Originaltitel: Ailleurs si j´y suis
Aus dem Französischen von Sina de Malafosse
978-3-455-65045-7
20,00 Euro (D)


"Auktionen hinterlassen ein Gefühl der Trunkenheit, wie es kein alkoholisches Getränk vermag, und, im Gegensatz zum Kasino, hat man, wenn man verliert, trotzdem den Eindruck, ein wenig gewonnen zu haben:[...]" (Seite 14, Das Bild aus meinem Traum)

Monsieur Chaumonts ist ein erfolgreicher und angesehener Anwalt für Patentrecht, doch seine große Leidenschaft sind alte Dinge. Das Sammeln alter Dinge. Er verbringt gerne Zeit in dem Pariser Auktionshaus Drouot oder auf Flohmärkten. Doch in seiner Wohnung regiert seine Frau und nach und nach wurden seine Schätze ins Arbeitszimmer verbannt. 
Bei einem Streifzug durch das Pariser Auktionshaus entdeckt er ein Gemälde aus dem 18. Jahrhundert und er entdeckt sich selbst in dem Gemälde. Er ersteht das Bild, was ihn selbst zeigt und beginnt mit den Nachforschungen.

Meine erste Begegnung mit einem Buch von Antoine Laurain hatte ich Anfang des Jahres, als "Der Hut des Präsidenten" erschien. Ich war so überwältigt von seiner Art eine Geschichte zu erzählen, dass auch direkt im Anschluss "Liebe mit zwei Unbekannten" in mein Haus einzog und verschlungen wurde. Es stand schon im Frühjahr fest, dass ich unbedingt auch sein drittes Buch lesen möchte und nun war es endlich soweit. Vielen Dank an den Atlantik Verlag für das Rezensionsexemplar, ich habe mich sehr darüber gefreut.

"Moderne Augen? Es ist keine Seele mehr in ihnen, sie schauen nicht mehr zum Himmel." (Seite 60, Das Bild aus meinem Traum)
 
Auf den ersten Seiten lernt man Monsieur Chaumonts kennen, der seine Geschichte erzählt. Er macht am Anfang der Geschichte einen sehr traurigen und unglücklichen Eindruck. Es macht ihn zu schaffen, dass er all seine Schätze in seinem Arbeitszimmer verstecken muss, weil seine Frau sie nicht in der Wohnung duldet. Für sie sind es alte Dinge, die niemand mehr braucht. Er erzählt von den Anfängen seiner Sammelleidenschaft und erinnert sich gerne an den ein oder anderen Weiterverkauf und was er doch für ein gerissener Geschäftsmann ist. 

Doch als er auf das Bild im Auktionshaus stößt, merkt man als Leser deutlich, wie er sich verändert. Die Erregung bei der Versteigerung des Bildes ist spürbar, es knistert förmlich und man bangt und hofft trotzdem als Leser, obwohl man ja weiß, wie es ausgehen wird, dass er dieses Bild ersteigert. Seine Verlegenheit soviel Geld für ein Bild auszugeben am Ende der Versteigerung, seine fast schon kindliche Art bei den Gedanken die er hat, löst die Spannung herrlich auf und ist amüsant.
 
Das Buch zeigt das alte und das neue Leben des Monsieur Chaumonts auf eine so schöne Weise. Sie zeigt, wie schön Liebe sein kann, wenn es wahre Liebe ist und wie gehässig alles werden kann.

Die Geschichte ist fast poetisch und sehr schwungvoll erzählt. Sie zieht einen in den Bann und man mag einfach nicht, dass es aufhört. Einerseits ist sie melancholisch auf der anderen Seite herrscht eine Leichtigkeit. Irgendwie hat das Buch wieder dieses gewisse Etwas, was ich sehr schwer erklären kann. Und, obwohl das Buch nur so wenige Seiten hat, ist die Geschichte zwischen den Buchdeckeln nicht nur an der Oberfläche erzählt, sondern sie geht sehr in die Tiefe.

Am Ende angekommen klappt man das Buch zu und hat noch lange das Gefühl, dass man eine schöne und auch aufregende Geschichte gelesen hat, an die man gerne zurückdenkt. Und das schafft nicht jeder Autor. 

 

Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen

Wie die meisten Blogger, freue ich mich auch über liebe Kommentare und Feedbacks.

LG Mone