Samstag, 10. Dezember 2016

[Rezension] Im dunklen, dunklen Wald von Ruth Ware

Thriller
384 Seiten, Klappenbroschur
Originaltitel: In A Dark, Dark Wood
Aus dem Englischen von Stefanie Ochel
ISBN 978-3-423-26123-4  
15,90 Euro (D)
 
dtv 
 
Es ist schon einige Zeit her, dass ich bei der Lesenacht auf KeJas-BlogBuch teilgenommen habe, und bevor nun das Lesewochenende startet, möchte ich auch endlich mal "Im dunklen, dunklen Wald" von Ruth Ware rezensieren.
 
Das Buch gehört zu den Büchern, die es mir nicht ganz so leicht machen, eine Rezension zu schreiben. Auf der einen Seite fand ich es sehr gut zu lesen und es hat mich auch mitgerissen, auf der anderen Seite fehlte mir dennoch ein wenig die Spannung. Ich bin in diesem Fall ziemlich zwiegespalten.
 
Nora erhält von ihrer ehemaligen Freundin Clare eine Einladung zum Jungesellinnenabschied. Sie wundert sich über diese Einladung, hat sie doch seit 10 Jahren keinen Kontakt mehr zu ihrer Clique. Seit etwas Schlimmes passiert ist. Sie hat sich in ihre Arbeit als Autorin vergraben und kaum noch Kontakte zur Außenwelt. Einzig ihre beste Freundin aus dieser Zeit, sieht sie hin und wieder. Und weil Nina auch zu dieser Party möchte, sagt Nora zu. Die Party findet an einem abgeschiedenen Ort statt, mitten im Wald in einem Glashaus. Schon der Beginn der Party verheißt nichts Gutes, aber das es so tragisch endet, damit hätte Nora nicht gerechnet.
 
Man begegnet Nora das erste Mal im Krankenhaus nach dieser Party. Sie hat auf Grund der Ereignisse ihr Gedächtnis verloren und versucht sich nun an die Vorfälle zu erinnern. Sie muss sich erinnern, was in dieser Nacht geschehen ist. Es hängt viel davon ab. Immer wieder wird sie von den Polizisten befragt, der Druck ist ziemlich hoch. Aber auch Nora möchte wissen, was denn nun passiert ist. Es gab einen Toten, aber was hat sie damit zu tun? 
 
Dieser Einstieg in das Buch hat mir schon einmal sehr gut gefallen. Es ist nicht nur die unmittelbare Vergangenheit, die Fragen aufwirft, sondern auch die Vergangenheit vor 10 Jahren wirft ihre Schatten ziemlich schnell auf dieses Wochenende. Lange ist es einem nicht klar, was passiert ist. 
 
Die Atmosphäre ist wahrlich gelungen. Düster, schon alleine durch die Jahreszeit, ein Haus mit riesigen Glasfronten, wo man immer das Gefühl hat, beobachtet zu werden. Hinzu kommen noch die fein ausgearbeiteten Charaktere. Es gab zwar keine, mit der ich mich nur annähernd identifizieren konnte, weil sie alle ziemliche "Macken" aufwiesen und eigentlich keiner "normal" war, aber das finde ich nicht wirklich schlimm. Es gibt reichliche Konflikte und generell ein hohes Konfliktpotential, weil sich die Partygäste alle nicht grün sind und es sehr viel geheuchelt wurde.
 
Doch mir fehlte bei der guten Atmosphäre und den genial ausgearbeiteten Charakteren die Spannung. Es gibt immer wieder Längen als Lückenfüller, die mich ziemlich angeödet haben und wo ich das Buch dann schließlich auch quergelesen habe, weil es uninteressant war. Der Fokus der Wahrheitsfindung gerät in den Hintergrund und stattdessen bekommt man schon ziemlich alberne Partyspielchen präsentiert. Diese passen zwar zu dem Charakter der Organisatorin, und rücken diese ins rechte Licht, doch mir war es einfach too much. 
 
Und das fand ich ziemlich schade, denn sonst wäre es ein perfektes Buch gewesen. Denn von der psychologischen Seite, von dem Plot, dem Setting und den Charakteren, war es enorm gut und hat mich da auch gepackt und mir einen Nervenkitzel verschafft. Ab dem zweiten drittel bis zum Ende gibt es auch nicht wirklich viel zu meckern, denn da kam für mich die Spannung in vollen Zügen, nur bis man an diesem Wendepunkt angelangt ist, vergeht eine größere Zeit.
 
"Im dunklen, dunklen Wald" von Ruth Ware ist ein gutes Debüt, aus dem man an manchen Stellen noch mehr heraus hätte kitzeln können. Ruth Ware hat ein Händchen dafür, eine Atmosphäre zu erschaffen, in der man sich nicht wirklich wohl fühlt und Charaktere auszuarbeiten, die alle ziemlich gewöhnungsbedürftig sind.
 
 



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